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Das Erzählen von Geschichten ist ein wesentlicher Teil jeder visuellen Arbeit. Interview mit Luca Font

22/06/2023

In der Reihe von Illustrationen, die Font für Foscarini geschaffen hat, stellt er optisch die Rolle des Lichts und der Lampen von Foscarini dar. Sechs Illustrationen bilden eine Art zirkadianen Zyklus über 24 Stunden, in dem das Haus durch eine pareidolithische Illusion seine eigene Persönlichkeit entwickelt.

Autor, Illustrator, Tattoo-Künstler: Luca Font wurde 1977 in Bergamo geboren, er lebt in Mailand und New York, der Wiege der Graffiti-Kultur. Die Leidenschaft für Graffiti kennzeichnet seine Anfänge als Künstler. Züge und Mauern, Tattoos, Papier und digitale Kunst: Luca Fonts visuelles Universum besteht aus heterogenen Medien, die durch einen transversalen und unverwechselbaren Stil verbunden sind, der eine ausgeprägte Vorliebe für Abstraktion, Grafikdesign und Typografie erkennen lässt. Sein Schaffen ist gekennzeichnet durch die ständige Suche nach einer visuellen Synthese sowie einer grafischen Darstellung, die Minimalismus und Ausdruckskraft miteinander verbindet.

In der Reihe von Illustrationen, die Font für Foscarini geschaffen hat, stellt er optisch die Rolle des Lichts und der Lampen von Foscarini dar, die eine Umgebung definieren und ihr Persönlichkeit verleihen, sowohl in der Nacht – wenn sie eingeschaltet sind – als auch am Tag – wenn sie ausgeschaltet sind. Sechs Illustrationen bilden eine Art zirkadianen Zyklus über 24 Stunden, in dem das Haus durch eine pareidolithische Illusion seine eigene Persönlichkeit entwickelt.

 

Erzähl uns, wie deine Künstlerkarriere begann. Wie hat alles begonnen? Wusstest du schon immer, dass du Künstler werden wolltest?

Ich habe schon als Kind gezeichnet und in meiner Jugend mit Graffitis begonnen, was viele Jahre lang mein wichtigstes Schaffensgebiet war. Ich habe nie eine formale Kunstausbildung erhalten und überhaupt nicht die Möglichkeit in Betracht gezogen, meinen Lebensunterhalt mit dem Zeichnen zu verdienen, bis sich mir fast zufällig die Gelegenheit bot, das Tätowieren zu erlernen, und ich ergriff sie sofort. Im Jahr 2008 verließ ich die Welt der Kommunikation, ohne zu zögern, und das hat alles verändert.

 

Deine grafische Handschrift ist sehr deutlich, markant und unverwechselbar. Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie hat er sich durch deine Erfahrungen entwickelt?

Ich bin mit den Grafiken von Videospielen und Skateboards aufgewachsen. Meine Mutter unterrichtete Kunstgeschichte, aber mir gefielen diese kraftvollen und eindrucksvollen Illustrationen immer besser als die Altarbilder von Mantegna. Das hat wahrscheinlich dazu beigetragen, dass ich bei Graffitis und später bei allem anderen immer einen sehr grafischen Ansatz verfolge. Immer, wenn ich etwas zeichne, egal ob es ein handtellergroßes Tattoo oder eine dreißig Meter lange Wand ist, ziele ich auf die Synthese, die Lesbarkeit und die unmittelbare visuelle Wirkung ab und obwohl ich mit vielen unterschiedlichen Medien arbeite, versuche ich immer, eine Formensprache zu verwenden, die meinen Werken Kohärenz verleiht.

 

In diesem Projekt hast du untersucht, wie die Lampen von Foscarini den Raum verändern – bei Nacht und bei Tag, wenn sie eingeschaltet und wenn sie ausgeschaltet sind. Erzähl uns mehr über die Inspiration hinter dieser Serie.

Der interessanteste Teil der Arbeit mit Kunden ist die Möglichkeit, mit ihnen sprechen und vor allem, ihnen zuzuhören, was grundlegend ist um neue Blickwinkel und Sichtweisen zu entdecken. Aus der Auseinandersetzung mit Foscarini ging von Anfang an die Bedeutung des Lichts in Bezug auf den Raum hervor: Licht nicht nur in der Nacht, das natürlich künstlich ist und von den Lampen erzeugt wird, sondern auch am Tag, wenn die Lampen als Designobjekte eine andere Dimension erhalten. Hier werden das Licht (oder besser gesagt die verschiedenen Arten des Lichts) und die Lampen von Foscarini zu zwei Elementen, die je nach Tageszeit auf unterschiedliche Weise dazu beitragen, die Persönlichkeit des Hauses zu definieren, die wiederum die Persönlichkeit derjenigen widerspiegelt, die es einrichten und bewohnen.

 

Gibt es Objekte, die dir das Gefühl geben, zu Hause zu sein, egal wo du bist?

Ich war in den vergangenen zehn Jahren ständig auf Reisen und was mir jedes Mal das Gefühl gibt, meinem Zuhause etwas näher zu sein, sind die Kameras, die ich immer bei mir habe. Sie schaffen in gewisser Weise eine Verbindung zwischen den Orten, an denen ich mich befinde, und dem Ort, an den ich mit einem Stück von jeder Reise zurückkehre.

 

Was denkst du über Foscarini? Wie beschreibst du die Arbeit mit dem Unternehmen an diesem Projekt?

Ich habe sofort eine große Harmonie gespürt weil sich die Philosophie, die das Unternehmen verfolgt, um die Konzepte der Individualität und Personalisierung dreht, und auf diesen Konzepten basiert meine Arbeit. Jedes einzelne Objekt ist ein eigenständiges Projekt. Ich glaube nicht an Standardlösungen, weil ich überzeugt bin, dass man sich sowohl in der Ästhetik als auch begrifflich ständig weiterentwickeln muss.

 

Was sind die Quellen für deine Inspiration und wie förderst du deine Kreativität?

Meine Inspirationsquellen sind sehr vielfältig, oft fast zufällig. Meine Inspiration kommt aus der gezielten Suche aber auch aus dem Alltag: Wir sind so sehr daran gewöhnt, von visuellen Reizen umgeben zu sein, dass wir im Allgemeinen nicht darauf achten, was wir sehen, während es bei der Suche nach der richtigen Idee in den meisten Fällen am besten ist, vom Zeichenblatt aufzustehen und einen Spaziergang zu machen, um sich ziellos umzuschauen.

 

Wie sieht dein kreativer Schaffensprozess aus?

Das hängt sehr stark davon ab, was ich machen muss. Oft verarbeite ich Ideen, indem ich sie im Hintergrund ruhen lasse, während ich etwas anderes mache. Dann zeichne ich sehr grobe Entwürfe auf Papier, die ich dann digital bearbeite und schließlich wieder auf Papier oder Leinwand bringe. Immer öfter arbeite ich ausschließlich mit digitalen Medien, aber ich beschäftige mich noch immer am liebsten mit der Herstellung physischer Kunstwerke.

 

Was entwirfst du am liebsten?

Ohne Zweifel Architektur und Objekte mit Kanten.

 

Welche Illustration(en) dieser Serie gefallen dir am besten und warum?

Tatsächlich hat mir nicht so sehr eine einzelne Illustration gefallen, sondern die Tatsache, dass ich die Möglichkeit hatte, mit den sechs auf zwei Zeilen verteilten Motiven eine symmetrische Serie zu schaffen, die den Zyklus von Tag und Nacht erzählt. Das Erzählen von Geschichten ist ein wesentlicher Teil jeder visuellen Arbeit und die Ästhetik sollte niemals ein Selbstzweck sein.

 

Was bedeutet für dich Kreativität?

Für mich ist Kreativität auf jeden Fall ein organischer Prozess, der untrennbar mit dem Alltag verbunden ist.